Matsuo Kanenori Sakon: Ryukyu Oke Hiden Bujutsu – Karate, Bukijutsu.

My German translation of a chapter of: Matsuo Kanenori Sakon: Ryukyu Oke Hiden Bujutsu – Karate, Bukijutsu. Tokyo, Baseball Magazine 1990. 186 S., 27cm.

04die Stockfechtmethoden von Ryûkyû
Es existieren drei Arten der Stockfechtmethoden auf Ryûkyû (Okinawa).
Die erste Kategorie wird Shôrin-ji no Kun und Aoda no Kun genannt, und dabei handelt es sich um Stockfechtmethoden, die aus China importiert wurden.
Die zweite Kategorie ist der von alters her überlieferte “Tanz der südlichen Inseln” (Nantô-odori; oki. Fênushimâ), bei dem es sich um eine aus Südoastasien importierte Stockfechtmethode handelt.
Die dritte Kategorie ist die Fechtmethode mit dem Yaribô, die seit der Übernahme der Kontrolle Ryûkyûs durch das Geschlecht der Shimazu im Jahre 1609 eingeführt wurde.

Gegenwärtig werden auf Okinawa verschiedene Kata praktizierte, u.a. Tsuken-bô, Shôryû no Kun, Sakugawa no Kun, Shûuji (Shûshi) no Kun, Chôuji (Chôshi) no Kun, Shirotaru no Kun, Yonegawa no Kun, Sesoko no Kun, Chôun no Kun, [Chinen] Shikiyanaka no Kun, Teruya no Kun, Tsuken Sunakake [Uêku-dî], Kôra-gwa no Kun, Tokumine no Kun, Tôzan (Tôyama) no Kun, usw., sowie das Udundî Kassen-bô; letzteres ist die in alten Zeiten nie in der Öffentlichkeit gezeigte Stockfechtmethode, die im Ryûkyû Ôke Hiden Bujutsu überliefert wurde, der geheimen Kampfkunst der Koeniglichen Familie von Ryukyu .

Darüber hinaus ist die Kata Soeishi no Kun zu nennen, d.i. die Stockfechtmethode der Soeishi-Familie, die als Lehrer der Kriegskunst für die königliche Familie dienten. Diese Methode wurde außer an den ältesten Sohn der Soeishi-Familie nie nach außen weitergegeben. Und auf die gleiche, für Außenstehende nicht zugängliche Art und Weise nahm der Ryûkyû-König Unterricht in der Stockfechtmethode des Matsumura Sôkon.

Die lange Fechtstange wird auf Okinawa entweder Bô oder Kun genannt. Letzteres bezieht sich auf die ursprünglich von China aus in Ryûkyû eingeführten lange Fechtstange […].
Darüber hinaus gabe es die Tenbin-bô genannten Tragestange, mit der das allgemeine Volk seine Fracht auf der Schulter transportierte, sowie diejenigen Stangen, die einst Yari oder Naginata waren und bei denen die Klingen und Spitzen abmontiert worden waren.

In Majikina Ankôs Okinawa Issen-nen Shi wird berichtet:

 „In der fernen Vergangenheit Okinawas, im Krieg der drei Königreiche, brachten die Feldherren jener Zeit eine Stockkampfmethode zur Anwendung, die aus einer Art Modellübung bestand, mittels derer diese Stockkampfmethode verbreitet wurde .“

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Im Jahre 1372 konkurrierten in Okinawa drei Herrscher um die Vorherrschaft: der König von Chûzan, der König von Hokuzan, und der König von Nanzan. Um ihre Finanzkraft zu verbessern entsandte jeder einzelne für sich einen Boten mit Tribut an den chinesischen Kaiser der Ming-Dynastie. Mit dieser Beziehung zum Reich der Mitte begann möglicherweise erstmals der sukzessive Import von Stockfechtmethoden aus China nach Okinawa.

Im Jahre 1429 unterwarf der Chûzan-König Shô Hashi seine Widersacher und gründete eine einheitliche Regierung in Ryûkyû. Der Überseehandel mit Ländern im Süden und Südostasiens florierte. Durch den Kontakt mit Java (kleinste der Großen Sundainseln), Siam (Name von Thailand bis 1949), der Halbinsel Malakka, mit Annam (ehem. Kaiserreich in Indochina; Kernland von Vietnam), Thailand, Palembang (Sumatra) usw. kam es zur Übertragung von Stockfechtmethoden aus diesen südlichen und südostasiatischen Ländern.

Als im Jahre 1609 Shimazu Iehisa Ryûkyû militärisch angriff, streckte dieses seine Waffen. Seit dieser Zeit, unter dem 24. König Shô Nei, gelangte die japanische Methode des Yaribô (Stock- und Speerfechten) nach Ryûkyû.

Später wurde die zeitweise ausgesetzte Investitur und der Tributhandel mit China wieder aufgenommen, wodurch neuartige Stockfechtmethoden aus dem Reich der Mitte eingeführt wurden. Innerhalb der Atmosphäre der vorstehend genannten Geschehnisse wurde das Bôjutsu von Okinawa geboren.

Um ein spezielles Beispiel zu geben, folgt hier ein im Kyûyô verzeichneter Eintrag für das Jahr 1614, fünf Jahre nach der Invasion Ryûkyûs durch den Shimazu-Klan, im 26. Jahr der Regierung von Shô Nei:

[Auslassung] … ergriff einen Bō und stieg herab in den Hof. Er drehte sich, rotierte, und sprang umher in einem kraftvollen Tanz, wie ein Drachen, der einem sich windenden Pfeil gleich durch die See schießt. Seine Handhabung der Fechtstange war unvergleichlich. [Auslassung]

Und, in einem anderen Paragraphen ist verzeichnet :

„Der Bô von Okinawa ist entweder 1,82m oder 0,9m lang. Der 1,82m lange Bô entspricht der Kunst des Speerführens, der 0,9m lange der der Fechtkunst mit dem Schwert. Tsuken-bô ist die Überlieferung des … [Auslassung].

Dies deutet darauf hin, dass nicht nur Stockfechtkünste aus dem alten China und Südostasien populär waren, sondern dass diejenigen, die der Klasse der Uêkata (Daimyô-Krieger) angehörten, auch für die Einführung der japanischen Yaribô-Methode verantwortlich zeichneten. Die Kontrolle von Ryûkyû durch die Shimazu war nicht allumfassend, und da der Seelenfrieden in Ryûkyû noch nicht wieder hergestellt war, übte sich der Kriegerstand (shizoku) von Shuri im Bôjutsu und anderen Kriegskünsten.
1643 jedoch erschien ein Erlass, welcher den Bewohner von Ryûkyû den Verkauf und das Tragen von Waffen verbat:

„Ungeachtet des Ranges (wörtlich: der Vornehmheit) wird das Tragen von Waffenarten und Rüstungen sowie der Handel mit denselben in Ryûkyû untersagt. Dies ist solange zu befolgen, bis die Angelegenheit wieder aufgehoben wird“.

Der 27. König von Ryûkyû, Shô Shitsu, ließ seinen 5. oder 6. Sohn – Shô Kôshin Motobu Ôji Chôhei, ein Genie mit angeborener Begabung für die Kriegskünste – eine Kriegskunst zusammenstellen, deren Techniken in Folge in geheimer Überlieferung der königlichen Familie von Ryûkyû weitergegeben werden sollten und nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Diese Kriegskunst bestand aus Schwert, Sôtôken, Lanze, Lanzenhellebarde, Machete/Buschmesser, Barbarenschwert, Fechtstange und den paarweise geführten, eisernen Schlag- und Parierstöcke. Dies geschah im Jahre 1668.

Kurz darauf, im Jahre 1670, wurde die Kontrolle durch die Shimazu verstärkt, aus den Ryûkyû-Regierungsgebäuden namens Hira no Soba Rundbriefe über das Verbot des Tragens von Schwertern und Fechtstangen (Bô) herausgegeben, welcher den Bewohnern von Ryûkyû das Führen von Waffen untersagte, waehrend es den beamten der Hira no Soba jedoch erlaubt blieb.

Vor dem Hintergrund der historischen Geschehnisse verschwanden die Kriegskünste mit Katana, Schwertern, Yari usw. folglich von der okinawaischen Bildfläche. Lediglich in den Villen der Burg des Ryûkyû Königs gab es weiterhin die geheime Überlieferung. Seit dieser Zeit weihte der unter der Aufsicht der Shimazu-Familie herrschende Ryûkyû-König seinen Thronerben in die geheimen Überlieferung der Kriegskunst der königlichen Familie von Ryûkyû ein (isshi sôden), d.h. Nûchiku, Tôfâ, Uêku, Gusan, Kama, Tanbô, Dabô usw., also die gesammelten Waffenkünste, wie auch waffenlose Techniken. Was das Kassen Bôjutsu betrifft, ist dies die Stockfechtmethode das Udun-dî (die Kriegskunst des Motobu Udun der königlichen Familie von Ryûkyû).

Auch andere Personen beeinflussten die Stockfechtmethode des Kassen Bôjutsu, wie Soeishi (1752-1825, Kriegskunstlehrer des 32. König Shô On) und Matsumura Sôkon (1800-1890, Kriegskunstlehrer des 35. König Shô Iku). Beide waren außerordentliche Meister im Fechten mit der langen Stange, doch unterrichteten sie ihre Stockfechtmethode an niemanden außer an den eigenen erstgeborenen Sohn, und in dieser Hinsicht ähnelt es dem Ryûkyû Ôke Hiden Bujutsu Motobu Udun-dî, welches buchstäblich eine nie in der Öffentlichkeit gezeigte; an sicherem Hort geborgene kämpferische Fertigkeit ist.

Ein gemeinsamer Punkt in den Bôjutsu der königlichen Familie ist die waagerechte Position des Bô in der Bereitschaftsstellung. Diese Haltung im Kassen Bôjutsu eingenommen erlaubt sturmwindartige Angriffe auf den Gegner und ist tatsächlich eine fürchterliche Technik.

© 2011 – 2015, Andreas Quast. All rights reserved.

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